Die Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde ist die effizienteste Wärmepumpenlösung für Schweizer Einfamilienhäuser. Mit einer Jahresarbeitszahl von 4.5 bis 5.5 und einer Erdsondenlebensdauer von über 50 Jahren ist sie eine Investition in die Zukunft. Doch wie tief muss gebohrt werden? Was kostet die Bohrung? Und wie bekommt man die Bewilligung? Dieser umfassende Guide beantwortet alle Fragen.
Wie funktioniert eine Erdsonde?
Eine Erdsonde ist ein geschlossenes Rohrsystem, das vertikal in den Boden eingebracht wird. In den doppelten U-Rohren (meist aus Polyethylen PE100) zirkuliert eine Sole – ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel (Glykol). Die Sole nimmt die Wärme des umgebenden Erdreichs auf und transportiert sie zur Wärmepumpe im Haus.
In der Schweiz herrschen ab einer Tiefe von 10–15 Metern nahezu konstante Temperaturen von 10–12°C, unabhängig von der Jahreszeit. Pro 100 Meter Tiefe steigt die Temperatur um weitere 2.5–3°C (geothermischer Gradient). Diese konstante Temperatur ist der Schlüssel zur hohen Effizienz der Sole-Wärmepumpe – im Gegensatz zur Luft-Wasser-WP, die im Winter mit kalter Aussenluft arbeiten muss.
Bohrtiefe und Dimensionierung
Die benötigte Sondenlänge hängt von der Heizleistung und der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds ab. Als Faustregel gilt: Pro Kilowatt Heizleistung sind 15–20 Meter Sondenlänge erforderlich, abhängig von der Wärmeleitfähigkeit des Gesteins.
Typische Bohrtiefen für Einfamilienhäuser in der Schweiz: Neubau 150 m² (6 kW) benötigt 1 Sonde à 100–120 m. Bestehendes EFH 200 m² (10 kW) braucht 2 Sonden à 100–120 m oder 1 Sonde à 200 m. Grösseres EFH 250 m² (14 kW) erfordert 2 Sonden à 120–150 m. Der maximale Bohrdurchmesser beträgt typischerweise 130–165 mm, die maximale Bohrtiefe in der Schweiz üblicherweise 250–300 m.
Geologische Faktoren
Die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds bestimmt, wie viel Wärme pro Meter Sonde entzogen werden kann. Die Entzugsleistung variiert erheblich: Trockener Sand und Kies liefern 20–30 W/m, wassergesättigter Sand und Kies 55–65 W/m, Tonstein und Mergel 35–45 W/m, Kalkstein 45–60 W/m und kristallines Gestein (Gneis, Granit) 55–70 W/m.
Ein geologisches Gutachten vor der Bohrung gibt Auskunft über die zu erwartende Gesteinsformation und hilft bei der exakten Dimensionierung. Die Kosten für das Gutachten (CHF 1'500–3'000) sind gut investiert, da eine zu kurze Sonde langfristig zu Leistungsproblemen führt.
Kosten einer Erdsondenbohrung
Die Kosten einer Erdsondenbohrung setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die eigentliche Bohrung kostet CHF 60–80 pro Bohrmeter, der Sondenkopf und die Anbindung ans Haus CHF 1'500–3'000, das geologische Gutachten CHF 1'500–3'000, die Bewilligung und Gebühren CHF 500–1'500, und die Thermische-Response-Test (optional) CHF 2'000–4'000.
Beispielrechnung für ein typisches EFH mit 2 × 120 m Erdsonde: Bohrung 240 m × CHF 70/m ergibt CHF 16'800, plus Sondenkopf und Verrohrung CHF 2'500, plus Gutachten und Bewilligung CHF 3'500 – die Gesamtkosten Erdsonde betragen CHF 22'800. Zusammen mit der Wärmepumpe (CHF 15'000–20'000) und Installation (CHF 5'000–8'000) ergibt sich eine Gesamtinvestition von CHF 42'800–50'800.
Bewilligungsverfahren in der Schweiz
Für Erdsondenbohrungen ist eine Bewilligung der kantonalen Gewässerschutzfachstelle erforderlich. Das Verfahren umfasst die Abklärung der Machbarkeit im kantonalen GIS (Geoinformationssystem, online verfügbar), die Einreichung des Bohrgesuchs mit geologischem Gutachten, die Prüfung durch die Gewässerschutzbehörde (4–12 Wochen), die Bewilligung mit Auflagen und nach Abschluss die Bohrung mit Protokollierung und Qualitätskontrolle.
Wo sind Bohrungen nicht erlaubt?
In folgenden Gebieten sind Erdsondenbohrungen in der Regel nicht möglich: Grundwasserschutzzonen S1, S2, S3, Grundwassergewinnungsgebiete, Gebiete mit artesischem Grundwasser (Grundwasser unter Druck), Gebiete mit kontaminierten Böden und Gebiete mit bekannten geologischen Risiken (Karst, instabile Schichten). Die kantonalen GIS-Karten zeigen diese Ausschlusszonen – prüfen Sie vorab online, ob Ihr Standort grundsätzlich geeignet ist.
Alternative: Erdkollektoren
Wo eine Erdsonde nicht möglich ist, können horizontale Erdkollektoren eine Alternative sein. Diese werden in 1.2–1.5 m Tiefe verlegt und nutzen die oberflächennahe Erdwärme. Der Platzbedarf ist etwa das 1.5–2-fache der beheizten Wohnfläche. Für ein 180 m² Haus brauchen Sie also 270–360 m² Gartenfläche. Die Kosten sind mit CHF 10'000–15'000 deutlich niedriger als bei der Erdsonde, dafür ist die Effizienz etwas geringer (JAZ 3.8–4.5 statt 4.5–5.5).
Lebensdauer und Langzeitverhalten
Die Erdsonde selbst hat eine Lebensdauer von über 50 Jahren – sie wird damit in der Regel zwei Wärmepumpen überdauern. Die PE-Rohre sind chemisch inert und mechanisch robust. Wichtig ist jedoch die korrekte Dimensionierung: Eine zu klein dimensionierte Sonde kühlt das umgebende Erdreich über die Jahre langsam aus, was zu einem Absinken der Effizienz führt. Eine professionelle Auslegung mit Simulation stellt sicher, dass die Sonde auch nach 50 Jahren noch die volle Leistung bringt.
Kombination mit Solar
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe profitiert besonders von einer PV-Anlage, da sie weniger Strom braucht als eine Luft-Wasser-WP. Eine PV-Anlage von 6–9 kWp reicht typischerweise aus, um den Strombedarf zu decken. Im Sommer kann der PV-Überschuss sogar zur Regeneration der Erdsonde genutzt werden: Die Wärmepumpe arbeitet im Umkehrbetrieb und führt Wärme in den Boden zurück. Das verbessert die Langzeiteffizienz und ermöglicht gleichzeitig die Kühlung des Gebäudes.
Fazit: Die Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde ist die effizienteste und langlebigste Wärmepumpenlösung. Die höheren Investitionskosten amortisieren sich durch niedrigere Betriebskosten in 8–12 Jahren. Wenn Ihr Standort eine Bohrung erlaubt und das Budget es zulässt, ist die Erdsonde die beste Wahl für Generationen.
PV-Anlage für Ihre Sole-Wärmepumpe berechnen
Bestimmen Sie die optimale PV-Grösse für Ihre Erdwärme-Anlage.
PV-Rechner starten