Die Wahl des Kältemittels ist für die Umweltbilanz einer Wärmepumpe entscheidend. Während aeltere Geräte mit klimaschädlichen F-Gasen wie R410A arbeiten, setzt die neue Generation auf das natuerliche Kältemittel R290 (Propan). Mit einem GWP (Global Warming Potential) von nur 3 gegenüber 2'088 bei R410A ist Propan 700-mal klimafreundlicher. In diesem Artikel erklären wir den Kältemittelwandel und warum R290 die Zukunft gehoert.

Warum das Kältemittel wichtig ist

Jede Wärmepumpe enthaelt ein Kältemittel, das im geschlossenen Kreislauf zirkuliert und die Wärmeenergie transportiert. Im Normalbetrieb gelangt kein Kältemittel in die Atmosphaere. Doch bei Leckagen, Wartungsarbeiten oder der Entsorgung kann es freigesetzt werden. Synthetische Kältemittel (F-Gase) haben ein enormes Treibhauspotenzial und tragen bei Freisetzung massiv zum Treibhauseffekt bei.

GWP-Vergleich der Kältemittel

KältemittelTypGWP (100 Jahre)Status
R410ASynthetisch (HFK)2'088Auslaufend
R32Synthetisch (HFK)675Übergangs-Lösung
R454BSynthetisch (HFO-Blend)466Übergang
R290 (Propan)Natuerlich3Zukunft
R744 (CO2)Natuerlich1Nische (Grossanlagen)
R717 (Ammoniak)Natuerlich0Industrie/Grossanlagen

Die F-Gas-Verordnung der EU und der Schweiz

Die EU hat mit der revidierten F-Gas-Verordnung (2024) einen klaren Fahrplan für den Ausstieg aus klimaschädlichen Kältemitteln beschlossen. Ab 2027 sind F-Gase mit GWP über 750 in bestimmten Neuanlagen verboten. Ab 2032 wird das Verbot auf alle Split-Wärmepumpen mit GWP über 150 ausgeweitet. Die Produktion von F-Gasen wird stufenweise bis 2050 auf nahezu null reduziert.

Die Schweiz hat sich diesen Regulierungen weitgehend angeschlossen. Das bedeutet: R410A-Geräte werden in den naechsten Jahren vom Markt verschwinden. R32 dient als Übergangsloesung. R290 (Propan) ist die langfristige Antwort für Wohnwärmepumpen.

R290 Propan: Eigenschaften und Vorteile

Propan (R290) ist ein natuerliches Kältemittel mit hervorragenden thermodynamischen Eigenschaften. Es hat einen extrem niedrigen GWP von nur 3, bietet eine ausgezeichnete Effizienz (hoher COP, besonders bei hohen Vorlauftemperaturen), erreicht hohe Vorlauftemperaturen bis 75 Grad effizient, ist weltweit verfügbar und guenstig, ist nicht ozonschaedigend (ODP = 0) und biologisch abbaubar.

Sicherheit: Brennbarkeit

Der einzige relevante Nachteil von Propan ist seine Brennbarkeit (Sicherheitsklasse A3). Die Fuellmengen in Wohnwärmepumpen sind jedoch gering (150 bis 400 Gramm bei Monoblock-Geräten), und das Propan befindet sich im Aussengerät. Moderne R290-Wärmepumpen erfuellen strenge Sicherheitsnormen (EN 378) mit gasdichten Gehausen, Leckage-Sensoren, elektrischen Komponenten in Ex-Ausführung und automatischer Abschaltung bei Leckage.

In der Praxis ist das Sicherheitsrisiko extrem gering. Die Propanmenge in einer Wärmepumpe (300 g) entspricht dem Inhalt einer kleinen Campinggas-Kartusche und ist damit deutlich weniger als in einem handelsuerlichen Gasgrill.

Top R290-Modelle auf dem Schweizer Markt

Die fuehrenden Hersteller haben bereits R290-Modelle im Programm. Die Vaillant aroTHERM plus (3 bis 12 kW, Monoblock, leise mit 28 dB, sehr hoher COP) ist einer der Pioniere. Die Daikin Altherma 3 R (4 bis 16 kW, Monoblock, hohe Vorlauftemperatur bis 70 Grad) überzeugt durch Vielseitigkeit. Die Viessmann Vitocal 250-A (2.6 bis 13 kW, Monoblock, Smart-Grid-Ready) bietet umfassende Konnektivitaet. Und die Samsung EHS Mono (4 bis 16 kW, kompaktes Design, wettbewerbsfähiger Preis) punktet beim Preis-Leistungs-Verhaeltnis.

R290 vs. R32: Was soll ich kaufen?

Wenn Sie heute eine neue Wärmepumpe kaufen, empfehlen wir ein R290-Modell. Gruende dafür sind die Zukunftssicherheit (kein Risiko regulatorischer Änderungen), die bessere Umweltbilanz (700-mal niedrigerer GWP), die oft bessere Effizienz bei hohen Vorlauftemperaturen und die Kältemittel-Verfügbarkeit (Propan wird nie knapp oder teuer). R32-Geräte sind eine akzeptable Alternative, wenn kein passendes R290-Modell verfügbar ist. R410A-Geräte sollten Sie nicht mehr kaufen.

Fazit: R290 (Propan) ist das Kältemittel der Zukunft für Wohnwärmepumpen. Mit einem GWP von nur 3, hervorragender Effizienz und langfristiger Verfügbarkeit ist es die umweltfreundlichste und zukunftssicherste Wahl. Achten Sie beim Kauf einer neuen Wärmepumpe auf das Kältemittel - es lohnt sich.

Schweizer Vorschriften für Kältemittel: Was beim Einsatz von R290 gilt

In der Schweiz unterliegen Wärmepumpen mit brennbaren Kältemitteln wie R290 (Propan) spezifischen Sicherheitsanforderungen, die im Einklang mit der ChemRRV (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung) und den SIA-Normen stehen. Für Aufstellungsorte im Innenbereich gelten strenge Belüftungsvorschriften, da Propan schwerer als Luft ist und sich in Bodensenken ansammeln kann. Die maximale Füllmenge für R290-Geräte beträgt bei Innenaufstellung typischerweise 150 Gramm, was für Leistungen bis etwa 15 kW ausreicht. Viele Schweizer Kantone empfehlen mittlerweile explizit den Einsatz natürlicher Kältemittel im Rahmen ihrer Energieberatungsprogramme. Der Kanton Bern und der Kanton Waadt haben die Vorgaben für die Installation vereinfacht und verlangen bei Aussenaufstellung lediglich einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu Öffnungen wie Fenstern oder Lüftungseinlässen.

Langfristige Wirtschaftlichkeit natürlicher Kältemittel in der Schweiz

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Lokale Energiegemeinschaften und ZEV-Modelle

Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) ist ein Schweizer Erfolgsmodell, das es mehreren Parteien ermöglicht, Solarstrom gemeinsam zu nutzen. Seit der Revision des Energiegesetzes 2018 können Eigentümer benachbarter Grundstücke eine ZEV gründen und den Solarstrom intern abrechnen. Dies ist besonders für Mehrfamilienhäuser, Gewerbezonen und gemischte Siedlungen attraktiv. Der Eigenverbrauch steigt typischerweise auf 60–80 %, da die Lastprofile verschiedener Nutzer sich ergänzen. Die interne Abrechnung erfolgt über einen vom Bundesrat festgelegten Maximaltarif, der dem jeweiligen Standardstromtarif des lokalen Versorgers entspricht. Smart-Metering-Lösungen von Anbietern wie Swissolar oder eCarUp automatisieren die Verteilung und Abrechnung vollständig. Für kleinere Gemeinschaften genügt oft ein einfacher Zähler pro Partei. Die Gründung einer ZEV erfordert einen schriftlichen Vertrag zwischen den Beteiligten und die Zustimmung des Verteilnetzbetreibers.